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In Lateinamerika tut sich was!

Über aktuelles in der Gesellschaft

Moderator: Thelonious

In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon PhiloMuc » So 6. Dez 2009, 09:03

Lange hat man ja im Westen der Welt Töne gehört, als sei die Bibel voll "en vogue": George W. Bush, der wohl schlechteste Präsident der USA nach dem Krieg, wurde jedoch abgewählt.Und wie! Das Land USA war nach diesem Mann sogar bereit, ganz was Neues zu wagen: einen Farbigen an die Spitze des Staates zu wählen, der wenig waffenverliebt ist. Was sich aber in Lateinamerika tut, steigert alles noch: Heute dürfte der linksgerichtete Präsident Morales im Amt bestätigt werden; und von Hugo Cavez in Venezuela, Freund von Morales, liest man in Wikipedia dies:
Chávez und die Religionsgemeinschaften
Christentum
Hugo Chávez hat 2005 die evangelikale Missionsgesellschaft New Tribes Mission, welche in den indigenen Gemeinden im Süden des Landes aktiv war, aus dem Land verwiesen. Er warf ihr „Kolonialismus“ und „imperialistische Infiltration“ (Verbindungen zur CIA) vor. Unter anderem in Parlamentsberichten wurden der New Tribes Mission zuvor Spionage und Zwangsbekehrungen vorgeworfen.[111] Zur selben Zeit übergab er 6800 Quadratkilometer Land an die Ureinwohner Venezuelas. Chávez sagte hierzu, er führe eine Revolution für die Armen, und die Verteidigung der Rechte der Ureinwohner des Landes sei eine der Prioritäten hierfür.

Gemeinsam mit der Bischofskonferenz Venezuelas sorgte der emeritierte Kurienkardinal Rosalio José Castillo Lara Anfang 2006 für erhebliche Verstimmungen zwischen der venezolanischen Kirche und der Regierung. Anlässlich einer Wallfahrt kritisierte er, dass man in Venezuela Andersdenkende verfolge und Chávez' Führungsstil undemokratisch sei. Außerdem beklagte der Kardinal Anzeichen einer Diktatur und eine inakzeptable Situation der Menschenrechte. Chávez sprach darauf von einer Mitverschwörung der Kirche und forderte eine Entschuldigung. Die römisch-katholische Kirche in Venezuela hatte 2002 den gescheiterten Staatsstreich gegen Chávez teilweise offen unterstützt, die Putschistenregierung sofort anerkannt. Der damalige Kardinal von Caracas erteilte dem Putschpräsidenten den Segen.

Judentum
Im Rahmen einer Weihnachtsansprache im Jahr 2005, in der Chávez antikapitalistische Äußerungen tätigte, sagte er unter anderem: „Die Welt hat genug für alle, doch eine Minderheit, die Nachkommen derer, die Christus kreuzigten, dieselben, die Bolivar verjagten und ihn auf andere Art in Santa Marta kreuzigten (…), haben sich die Reichtümer der Welt zu eigen gemacht. Eine Minderheit hat sich des Goldes, des Silbers, der Mineralien, des Wassers und der guten Landstücke, des Öles bemächtigt und alle Reichtümer in den Händen weniger vereint. Weniger als 10% der Weltbevölkerung besitzt mehr als die Hälfte des Reichtums der Erde.“[112] Daraufhin warf ihm das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles vor, er bediene das antisemitische Vorurteil, dass die Juden Christusmörder seien und die Weltwirtschaft kontrollierten.[113] Chávez wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Vorwürfe des Simon-Wiesenthal-Zentrums als Lüge und Teil einer imperialistischen Kampagne[114] und ließ explizit erklären, dass seine Worte „keinerlei antisemitische Bedeutung“[115] hätten.

Wie seht Ihr das? Darf sich ein Präsident so eindeutig auf die Seite der Ureinwohner stellen? Kommt so ein Mann bald auch noch auf die Idee, das Denken der Ureinwohner wiederaufzubereiten? (Esoterisch-heidnische Tendenzen, Naturnähe, ...)
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon Such_Find » So 6. Dez 2009, 11:40

Chavez tut gut daran gegenüber etlichem was sich in den USA "Christen" nennt vorsichtig zu sein, immerhin waren die diejenigen die hinter Bush standen (welcher bei vielen Menschen als Krimineller gilt), und der Fernsehprediger Pat Robertson rief sogar offen zur Ermordung von Chavez auf(VIDEO).
Etliches was sich "Christ" nennt in den USA scheint mehr an den Markt als Gott und die USA als gelobtes Land und den Kapitalismus als Messias zu glauben, und der american-way-of-life scheint die Religion zu sein.

Und wenn man sich die Vorwürfe gegen diese "New Tribes Mission" durchliest (LINK) dann kann das schon zu einem etwas kritischeren Blick führen.

Wie seht Ihr das? Darf sich ein Präsident so eindeutig auf die Seite der Ureinwohner stellen?

Was willst du? Das Chavez die Ureinwohner genauso plattmacht wie die Ureinwohner der USA plattgemacht wurden?

Kommt so ein Mann bald auch noch auf die Idee, das Denken der Ureinwohner wiederaufzubereiten? (Esoterisch-heidnische Tendenzen, Naturnähe, ...)

Naturnähe? Muss ja eine schlimme Sünde sein...
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon PhiloMuc » So 6. Dez 2009, 13:34

Such_und_Find: Ich habe ein bisschen mit Ironie gearbeitet und wollte eigentlich mehr Geister wie otp in dieses Thema hineinlocken...Natürlich bin ich für Naturnähe; und ich bin ebenso auf seiten der Ureinwohner wie ich auf Seiten des Urchristentums bin, wenn theologisch diskutiert wird.
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon onThePath » So 6. Dez 2009, 13:46

Hm, und wenn Du dann die Geister, die Du rufst nicht wieder los wirst ? :)

Geister wie otp


Man sollte erst diesen Herrn genau analysieren, ehe man anfängt, Schlussfolgerungen zu machen. Wenn z.B. ein Mafia-Boss Millionen spendet ist er noch lange nicht ein Wohltäter für die Menschheit. Politik in chaotischen Ländern muß man sich schon genauer ansehen.

Wenn er nicht antichristlich ist, habe ich nichts dagegen, wenn er den christlichen Organisationen über die Schulter schaut. Und Dinge ändert, die man ändern sollte.

lg, oTp
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon Taube » Di 8. Dez 2009, 13:00

onThePath hat geschrieben:...
Man sollte erst diesen Herrn genau analysieren, ehe man anfängt, Schlussfolgerungen zu machen. Wenn z.B. ein Mafia-Boss Millionen spendet ist er noch lange nicht ein Wohltäter für die Menschheit. Politik in chaotischen Ländern muß man sich schon genauer ansehen.

Wenn er nicht antichristlich ist, habe ich nichts dagegen, wenn er den christlichen Organisationen über die Schulter schaut. Und Dinge ändert, die man ändern sollte.

lg, oTp


...aber die Frage kommt halt doch, warum ein Mafia Boss für die Armen schauen muss, während ein Benny Hinn in den USA zu seinen eigenen Golfplatz schaut. ...und ich kann nachvollziehen, warum einige "Missionare", die im Schlepptau der grossen Multis im Land wühlen, aus dem Land geworfen werden. "Durch die Begegnung mit den verlorenen Menschen von 'Angesicht zu Angesicht' wurde mir neu klar, es gibt noch so viele Menschen, die noch nie vom Herrn Jesus hören durften", so z.B. auf der HP von New Tribe Mission. Wer heute noch mit den Phrasen der Missionare des 19. Jh. arbeitet, sollte sich nicht wundern, dass die Ausweisung droht.

Gruss Taube
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon onThePath » Di 8. Dez 2009, 13:59

Taube hat geschrieben:
onThePath hat geschrieben:...
Man sollte erst diesen Herrn genau analysieren, ehe man anfängt, Schlussfolgerungen zu machen. Wenn z.B. ein Mafia-Boss Millionen spendet ist er noch lange nicht ein Wohltäter für die Menschheit. Politik in chaotischen Ländern muß man sich schon genauer ansehen.

Wenn er nicht antichristlich ist, habe ich nichts dagegen, wenn er den christlichen Organisationen über die Schulter schaut. Und Dinge ändert, die man ändern sollte.

lg, oTp


...aber die Frage kommt halt doch, warum ein Mafia Boss für die Armen schauen muss, während ein Benny Hinn in den USA zu seinen eigenen Golfplatz schaut. ...und ich kann nachvollziehen, warum einige "Missionare", die im Schlepptau der grossen Multis im Land wühlen, aus dem Land geworfen werden. "Durch die Begegnung mit den verlorenen Menschen von 'Angesicht zu Angesicht' wurde mir neu klar, es gibt noch so viele Menschen, die noch nie vom Herrn Jesus hören durften", so z.B. auf der HP von New Tribe Mission. Wer heute noch mit den Phrasen der Missionare des 19. Jh. arbeitet, sollte sich nicht wundern, dass die Ausweisung droht.

Gruss Taube


Ja ! Und......? Also schauen wie es weiter geht.
Gerade in armen Ländern erweist sich Gott immer wieder als Wundertäter. Und der Missionar sollte ja sowieso selbst als Werkzeug Christi deutlich erkennbar sein.
Dann wird die Wirklichkeit des Evangeliums auch ohne Zwang und Krampf den Menschen deutlich.
Wir haben den Friedensfürst als Vater, dann sollten wir nicht auftreten wie Knechte des Fürsten der Finsternis.

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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon Richard3 » Di 8. Dez 2009, 14:20

Vor paar Jahren sagte ein alter Herero aus Namibia
(ehemals Deutsch-Südwestafrika) im Fernsehen:

Erst kam der Missionar, dann der Konsul, dann die Armee.

Gruss Richard3
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon Taube » Di 8. Dez 2009, 14:58

onThePath hat geschrieben:
Taube hat geschrieben:...aber die Frage kommt halt doch, warum ein Mafia Boss für die Armen schauen muss, während ein Benny Hinn in den USA zu seinen eigenen Golfplatz schaut. ...und ich kann nachvollziehen, warum einige "Missionare", die im Schlepptau der grossen Multis im Land wühlen, aus dem Land geworfen werden. "Durch die Begegnung mit den verlorenen Menschen von 'Angesicht zu Angesicht' wurde mir neu klar, es gibt noch so viele Menschen, die noch nie vom Herrn Jesus hören durften", so z.B. auf der HP von New Tribe Mission. Wer heute noch mit den Phrasen der Missionare des 19. Jh. arbeitet, sollte sich nicht wundern, dass die Ausweisung droht.
...Gerade in armen Ländern erweist sich Gott immer wieder als Wundertäter. Und der Missionar sollte ja sowieso selbst als Werkzeug Christi deutlich erkennbar sein.
Dann wird die Wirklichkeit des Evangeliums auch ohne Zwang und Krampf den Menschen deutlich.
Wir haben den Friedensfürst als Vater, dann sollten wir nicht auftreten wie Knechte des Fürsten der Finsternis.

Wenn heute noch Missionare einfach "verlorenen Menschen" begegnen und nicht in erster Linie Gottes Geschöpfe, dann kann ich nichts mehr Gutes dahinter sehen. Es ist der gleiche menschen- und gottverachtende Ungeist wie früher, als in der Sonntagsschule auf der Kollektenschatulle noch die Figur des armen, verlorenen Negerleins kniete und artig den Kopf dankbar nickte, wenn die Kinder einen Batzen in die Schatulle fallen liessen.

Gruss Taube
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon tiktak » Di 8. Dez 2009, 15:31

onThePath hat geschrieben:
Ja ! Und......? Also schauen wie es weiter geht.
Gerade in armen Ländern erweist sich Gott immer wieder als Wundertäter. Und der Missionar sollte ja sowieso selbst als Werkzeug Christi deutlich erkennbar sein.
lg, oTp

Ja? Welche "Wunder" denn?
Missionar als Werkzeug Christi...heisst soviel wie?...
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon PhiloMuc » Di 8. Dez 2009, 15:33

Bei otp fällt mir auf, dass er oft in Formulierungen spricht wie:"Jünger des Herrn des Lichts sollten nicht in der Finsternis wandeln!"
Hat auch was Phrasenhaftes, nicht? Der entscheidende Punkt ist eben, dass die Lutheraner sich nie ganz von dem "Schuss Kapitalismus" in ihrem Denken verabschiedet haben: Er rührt daher, dass Pfarrer traditionell aus dem Mittelstand kommen, wo Armut meist unbekannt war. Aber auch davon, dass der "Gute und Tüchtige" irgendwie ja von Gott durch Wohlstand belohnt wird. Womit dem finanziell Armen immer ein wenig der Geruch der "armen Seele" anhaftet.
Und wer da "MissionsPhrasen des 19.Jh. geschrieben hat": Bist Du sicher, dass für Heutige die Bibel ganz phrasenfrei ist?
Zuletzt geändert von PhiloMuc am Di 8. Dez 2009, 17:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon Taube » Di 8. Dez 2009, 15:47

PhiloMuc hat geschrieben:...
Und wer da "MissionsPhrasen des 19.Jh. geschrieben hat": Bist Du sicher, dass für Heutige die Bibel ganz phrasenfrei ist?

Sicher gibt es auch da genügend Phrasen.
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon Kalle » Mi 28. Apr 2010, 14:18

Hugo Chávez ist ein Sozialist. Als solcher pflegt er keine besonderen Sympathien für Religionen im Allgemeinen und dem Christentum im Besonderen.

Die New Tribes Mission ist in der Vergangenheit immer wieder negativ aufgefallen. Wie in der Kolonialzeit üblich wollte man mit Hilfe des Christentums die „unzivilisierten“ Ureinwohner zu „richtigen Menschen“ erziehen und sie erst einmal in anständige Hosen, Hemden, Röcke und Blusen verpacken. Die eigene Sprache wird unterdrückt, die bisherigen Feste abgeschafft und durch Tannenbaum zu Weihnachten und Ostereier im Frühjahr ersetzt. Das ist in der Tat Kulturimperialismus und Kulturzerstörung. Diese (und hoffentlich auch andere) Missionsunternehmen des Landes zu verweisen ist eine mutige und richtige Tat.

Auch Venezuela braucht die christliche Botschaft, da besteht überhaupt kein Zweifel. Aber Venezuela braucht keine Christen, die mit Feuer und Schwert missionieren oder das Treiben von Missionsunternehmen zweifelhafter Herkunft.

Ob die New Tribes Mission mit der CIA zusammenarbeitet muss erst einmal bewiesen werden.
Richtig aber ist, dass amerikanische Behörden ein sehr großes Interesse an den Aktivitäten nicht-katholischer Organisationen in Lateinamerika hatten und haben. Gerade die Zusammenarbeit mit rechten Regierungstruppen und nordamerikanischen evangelikalen „Missionsunternehmen“ und deren Denunziationen, Spitzeldienste, Geldwäscherei und anderer nicht gerade christlicher Aktivitäten in Nicaragua während der Zeit des Bürgerkrieges scheint Präsident Chavez nicht vergessen zu haben.
Und auch die (deutsche) Colonia Dignidad hat sich bei der Bekämpfung und Elemenierung von Gewerkschaftern, andersdenkenden Bürgern oder Genossenschaftsmitgliedern in der Pinochet-Diktatur in Chile besonders eifrig hervor getan.
In Südamerika ist das alles unvergessen. Evangelikale Christen sind dort in erster Linie als „Rechte“ und Handlanger der nordamerikanischen Wirtschaftsmächte gesehen. Galater 6,7

Die römisch-katholische Kirche in Lateinamerika ist in der gleichen Lage wie in Spanien. Sie ist in der Bevölkerung sehr unbeliebt, weil sie sich in Zeiten der Diktatur sehr für die Diktatoren eingesetzt hat. (Mein Tipp: besucht doch beim nächsten Spanienurlaub mal eine Heilige Messe und achtet auf die Anzahl der anwesenden Männer). Zudem sind die Bischöfe in Lateinamerika nicht so nett und liberal wie in Europa, sondern meist sehr unangenehme Zeitgenossen, bei deren politischen Predigten es einem kalt den Rücken runterläuft. Von daher hält sich mein Bedauern gegenüber der katholischen Kirche doch stark in Grenzen.

Sind seine Äußerungen antisemitisch? Ja, weil solch ein religiöser Antisemitismus in Lateinamerika lange Tradition hat und sowohl von römisch-katholischer als auch protestantischer Seite noch heute gepredigt wird. Mit Recht wurde Chavéz auf diese Tatsache hingewiesen.


PhiloMuc hat geschrieben:Darf sich ein Präsident so eindeutig auf die Seite der Ureinwohner stellen? Kommt so ein Mann bald auch noch auf die Idee, das Denken der Ureinwohner wiederaufzubereiten? (Esoterisch-heidnische Tendenzen, Naturnähe, ...)


Durch die Fragestellung drängt sich mir der Eindruck auf, dass Ureinwohner und ihre Kultur schlecht wären und deshalb das Christentum annehmen müssten. Das ist genau die Einstellung, die Christen (ob katholisch oder protestantisch) den Ureinwohnern entgegen brachten und sie über viele Jahrhunderte unterdrückten.
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon Taube » Mi 28. Apr 2010, 14:27

Kalle hat geschrieben:
PhiloMuc hat geschrieben:Darf sich ein Präsident so eindeutig auf die Seite der Ureinwohner stellen? Kommt so ein Mann bald auch noch auf die Idee, das Denken der Ureinwohner wiederaufzubereiten? (Esoterisch-heidnische Tendenzen, Naturnähe, ...)


Durch die Fragestellung drängt sich mir der Eindruck auf, dass Ureinwohner und ihre Kultur schlecht wären und deshalb das Christentum annehmen müssten. Das ist genau die Einstellung, die Christen (ob katholisch oder protestantisch) den Ureinwohnern entgegen brachten und sie über viele Jahrhunderte unterdrückten.

Genau.
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon Taube » Mi 28. Apr 2010, 14:51

Kalle hat geschrieben:...
Zudem sind die Bischöfe in Lateinamerika nicht so nett und liberal wie in Europa, sondern meist sehr unangenehme Zeitgenossen, bei deren politischen Predigten es einem kalt den Rücken runterläuft. Von daher hält sich mein Bedauern gegenüber der katholischen Kirche doch stark in Grenzen.
...

...und wichtige katholische Geistliche, welche sich für die Menschen dort eingesetzt haben, sind aber kalt gestellt worden von Landesregierungen oder von Rom:

Leonardo Boff, Predigtverbot
Jon Sobrino, Verurteilung einzelner Thesen
Ernesto Cardenal, suspendierter Priester
Samuel Ruiz Garcia
Oscar Romero, erschossen von Todesschwadronen
Paulo Suess
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon PhiloMuc » Mi 28. Apr 2010, 15:44

Kalle, mein Beitrag hatte ironische Tendenz. Natürlich stehe ich auf der Seite des Urwissens der alten Kulturen. Das brachte mir bei Hardlinern hier, besonders bis etwa 2008, den Vorwurf "esoterischer" Tendenzen ein.
Sozialisten sind für mich übrigens nicht sui generis religionsfern.
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Re: In Lateinamerika tut sich was!

Beitragvon Kalle » Do 29. Apr 2010, 13:03

PhiloMuc hat geschrieben:Kalle, mein Beitrag hatte ironische Tendenz.


Vielen Dank für Deine Klarstellung, die ich (und wahrscheinlich auch andere Leser/innen) wirklich zu schätzen weiß. :umarm:

Leider bin (zumindest ich) ein gebranntes Kind und sehe mit Erschrecken nicht nur bei amerikanischen Christen, sondern zunehmend auch bei europäischen Christen eine Verhärtung der Herzen. Wer da nicht in ein bestimmtes Schema passt wird schnell der Irrlehre beschuldigt.

Mir persönlich wäre es viel lieber, wenn die Ureinwohner den Wert des Christentums zu schätzen lernten und dann auch eine eigene Form des Christentums entwickeln würden. Ihnen mit Gewalt die europäische / nordamerikanische Form eines Christentums aufdrängen zu wollen erscheint mir nicht sinnvoll und sogar contraproduktiv.

Die Abkömmlinge der Maya wurden jahrhundertelang unterdrückt und noch vor kurzer Zeit durch die Regierung verfolgt, sogar umgebracht. Seit einigen Jahren kann man die Hieroglyphen der Maya entziffern und bringt dieses Wissen auch den Maya zurück. Diese sind sehr dankbar und erkennen jetzt ihre eigene Kultur.

In beiden Fällen wird natürlich auch der eigenen Götter und Mythen gedacht und das Christentum erscheint da auf der Prioritätenliste nicht mehr an erster Stelle. Das ist in meinen Augen bedauerlich, aber natürlich müssen die Menschen selbst entscheiden welche Frömmigkeit besser zu ihnen passt.

Was man in den letzten Jahrzehnten auch von Seiten der "wiedergeborenen" Christen in Südamerika sieht, ist leider auch nicht sehr erfreulich (wobei man wirklich nicht alle Mitglieder einer Gruppe/Bewegung und deren Tun in einen Topf werfen sollte). Leider sind da auch hochmotivierte und gutmeinende Christen ein Teil des Problems geworden und nicht Teil der Lösung. "Gut gemeint" ist eben nicht "gut gemacht". In einigen Fällen machen sie dem Christentum mehr Schande, als dass sie dem Christentum wirklich einen guten Dienst erweisen würden.

Vielleicht hilft da wirklich nur beten und die Diskussion in christlichen Foren um den einen oder anderen zu einer Umkehr zu bewegen.
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