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Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Diskussion über Newsmeldungen, Leserbriefe

Moderator: kingschild

Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Beitragvon Livenet.ch » Sa 23. Aug 2008, 09:06

Mainz, 21.8.08 (Kipa) In Deutschland darf ein Betagtenheim in kirchlicher Trägerschaft eine bei ihm beschäftigte Pflegerin entlassen, wenn diese aus der Kirche ausgetreten ist. Das entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz.

Nach dem am Donnerstag, 21. August, bekanntgewordenen Urteil steht die diesbezügliche Kündigungsvorschrift nicht im Widerspruch zur Gewissens- und Glaubensfreiheit und verstösst auch nicht gegen Deutschlands Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz.

Austritt verträgt sich nicht mit Glaubwürdigkeit
Nach Auffassung des Gerichts haben die Kirchen das Recht, von ihren Mitarbeitern ein loyales und aufrichtiges Verhalten zu verlangen. Ein Kirchenaustritt zähle zu den schwersten Vergehen gegen den Glauben und die Einheit der Kirche, unterstrichen die Richter. Er vertrage sich daher aus Sicht der Kirche weder mit ihrer Glaubwürdigkeit noch mit der von ihr geforderten vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Was ist Ihre Meinung?
Ist es richtig, dass diese Pflegerin wegen Ihrer Haltung zur Kirche entlassen wird? Braucht eine kirchliche Organisation zwingend nur überzeugte Christen oder Kirchenanhänger? Wie können solche Fälle (besser) gelöst werden?
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Re: Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Beitragvon Psalm150 » Sa 23. Aug 2008, 19:41

Nun, ich denke, es geht hier um ein Pflegeheim.
Man sollte Regelungen, die bei einer Missionsgesellschaft, einer christlichen Band, einer Bibelschule, einer christlichen Website - kurz um, bei allem, wo der Schwerpunkt auf Verkündigung des Glaubens liegt und damit die Zusammenarbeit mit nicht glaubenden arge Probleme brächte, nicht auf ein Pflegeheim übertragen.
MfG & GBU
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Re: Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Beitragvon chrystal » Sa 23. Aug 2008, 20:55

Psalm150 hat geschrieben:Nun, ich denke, es geht hier um ein Pflegeheim.
Man sollte Regelungen, die bei einer Missionsgesellschaft, einer christlichen Band, einer Bibelschule, einer christlichen Website - kurz um, bei allem, wo der Schwerpunkt auf Verkündigung des Glaubens liegt und damit die Zusammenarbeit mit nicht glaubenden arge Probleme brächte, nicht auf ein Pflegeheim übertragen.


Nun - es ist zunächst eine Frage des Arbeitsvertrages. Und da gibt es für sogenannte Tendenzbetriebe Ausnahmeregelungen. Das weiß man, wenn man einen Vertrag unterschreibt. Das steht da dann drin.
Man wird ja auch nicht eingestellt, wenn man nicht in der Kirche ist. Oder nicht vollgültiges Mitglied.

Nun kann man sich über die Frage streiten, ob Pflegedienst nicht auch eine Art Verkündigung ist.
Also wenn ich glaube, ich bin in einem christlichen Pflegeheim und dann gehe ich davon auch aus, daß alle Beschäftigten zur Kirche gehören. Auch die, die da putzen.

Bevor man aber ein eigenes Urteil abgibt, sollte man doch das Urteil des Landesarbeitsgerichts kennen.

Hier schon mal etwas mehr:
Pflegeheim: Nach Kirchenaustritt Entlassung

Mainz (epd). Ein kirchliches Pflegeheim darf eine Mitarbeiterin entlassen, wenn sie aus der Kirche austritt. Das rheinland-pfälzische Landesarbeitsgericht wies die Berufung einer Altenpflegerin aus der Pfalz gegen ihre Kündigung zurück, sagte ein Gerichtssprecher dem epd am Donnerstag. Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen. (AZ: 7 Sa 250/08)

Die Klägerin arbeitete seit Ende 2001 als Pflegekraft in einer Einrichtung des Caritas-Verbandes. Im September 2007 trat sie aus der Kirche aus, worauf ihr das Pflegeheim kündigte. In ihrer Klage hatte sich die Mutter dreier Kinder auf das Grundrecht der Religionsfreiheit berufen und geltend gemacht, dass sie keine pastorale oder leitende Tätigkeit ausgeführt habe. Auch habe sie die Kirche nicht aktiv bekämpft.

Die Mainzer Richter bestätigten indes das Urteil das Arbeitsgerichts Kaiserslautern. Demnach wiegt das kirchliche Selbstbestimmungsrecht in dem vorliegenden Fall schwerer als das Recht auf freie Religionsausübung. "Der Kirchenaustritt gehört nach Kirchenrecht zu den schwersten Vergehen gegen den Glauben und die Einheit der Kirche", heißt es in dem Urteil. Die Kirche habe das Recht, von ihren Mitarbeitern ein loyales Verhalten zu fordern. Der Austritt sei somit als schwerwiegende Pflichtverletzung zu werten. (10403/21.8.2008)


AGG
LAG RLP, Az: 7 Sa 250/08

Tritt eine Beschäftigte, die bei "einem Rechtsträger der Kirche, der dem Bischöflichen Stuhl unmittelbar unterstellt und dem Deutschen Caritas-Verband angeschlossen ist", aus der Kirche aus, so kann ihr das Arbeitsverhältnis gekündigt werden. Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz sah darin keinen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.
Ein Austritt aus der Kirche sei grundsätzlich als Trennung von der Kirche als Glaubensgemeinschaft zu werten, "weil aufgrund der Verletzung der Loyalitätspflicht dem Dienstgeber eine Weiterbeschäftigung nicht zugemutet werden" könne.
Die Kündigung verletze nicht das Grundrecht der Arbeitnehmerin auf Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit. Glaubensfreiheit schließe auch die Freiheit ein, aus der Kirche auszutreten. Die Frau hätte sich bei der Begründung ihres Arbeitsverhältnisses "der Rechtsfolgen bewusst sein" müssen, die ein Austritt aus der Kirche nach sich ziehe.

Der Kirchenaustritt gehöre nach Kirchenrecht "zu den schwersten Vergehen gegen den Glauben und die Einheit der Kirche". Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei nach einem solchen Schritt nicht mehr denkbar.


Gruß
chrystal
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Re: Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Beitragvon der kleine Muck » So 30. Nov 2008, 03:58

chrystal hat geschrieben:Also wenn ich glaube, ich bin in einem christlichen Pflegeheim und dann gehe ich davon auch aus, daß alle Beschäftigten zur Kirche gehören. Auch die, die da putzen.


Aller Regel nach ist es so, das für die Reinigungsarbeiten Fremdfirmen beauftragt werden, diese vorzunehmen.

Will man jetzt alle vorher kontrollieren und die Frauen mit einem Kopftuch gleich erst garnicht zu ihrem Dienst antreten lassen?

LG der kleine Muck
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Re: Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Beitragvon bigbird » So 30. Nov 2008, 12:52

der kleine Muck hat geschrieben:
chrystal hat geschrieben:Also wenn ich glaube, ich bin in einem christlichen Pflegeheim und dann gehe ich davon auch aus, daß alle Beschäftigten zur Kirche gehören. Auch die, die da putzen.


Aller Regel nach ist es so, das für die Reinigungsarbeiten Fremdfirmen beauftragt werden, diese vorzunehmen.

Will man jetzt alle vorher kontrollieren und die Frauen mit einem Kopftuch gleich erst garnicht zu ihrem Dienst antreten lassen?

LG der kleine Muck


Diese Zeiten sind schon lange vorbei, wo in einem christlichen Pflegeheim alle Angestellten Christen sind. Im Gegenteil: Die Mehrheit der Leute sind nicht Christen. Dafür gibts gar nicht genug davon.

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Re: Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Beitragvon Enggi » Mo 1. Dez 2008, 10:25

Livenet.ch hat geschrieben:Was ist Ihre Meinung?
Ist es richtig, dass diese Pflegerin wegen Ihrer Haltung zur Kirche entlassen wird? Braucht eine kirchliche Organisation zwingend nur überzeugte Christen oder Kirchenanhänger?

Grundsätzlich ja, denn wenn die Pflegerin nicht mit der Kirche eins ist, wird sie auch mit den anderen Mitarbeiterinnen nicht eins sein können, und somit wäre der Wurm im Arbeitsverhältnis und es käme zu vermeidbarem Streit.
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Re: Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Beitragvon parepidimos » Mo 1. Dez 2008, 17:54

Interessant finde ich, dass das Gericht bereit und faehig ist, die Bedeutung eines Austrittes aus der Sicht der Kirche zu beurteilen:

Livenet.ch hat geschrieben:Ein Kirchenaustritt zähle zu den schwersten Vergehen gegen den Glauben und die Einheit der Kirche, unterstrichen die Richter.


Dies ist in der Tat so, auch wenn es freikirchlichen Christen merkwuerdig vorkommt. Der Austritt aus der Kirche kommt einem vollkommenen Widerruf des Glaubens gleich. Deshalb ist auch die Exkommunikation die schwerste Strafe, welche die Kirche verhaengen kann: Man liefert den Betroffenen dem Gericht Gottes aus und hat (glaubensmaessig) nichts mehr mit ihm zu tun. Wer von der Pflicht zur "Gemeindezucht" ueberzeugt ist, der sollte mit der Problematik des Ausschlusses/Austrittes nicht leichtfertig umgehen.

Im Uebrigen bin ich derselben Meinung wie Chrystal: Entweder ist die Kirchenmitgliedschaft Anstellungsbedingung fuer diese konkrete Stelle und somit auch eine Bedingung fuer den Weiterbestand des Anstellungsverhaeltnisses. Oder sie ist es nicht. Ob dies fuer das Putzpersonal ebenfalls zutrifft ist irrelevant.
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Re: Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Beitragvon Darki » Fr 8. Mär 2013, 14:53

wie man es hätte besser lösen können?

man hätte das gespräch suchen können mit der Pflegerin.
weil nur weil ich aus der Kirche austrete heißt es ja nicht das ich meinen Glauben aufgebe.
ein gespräch hätte da vieles klären können.
vll war die Pflegerin auch einfach nur sehr enttäuscht und hat es deshalb getan.
vll fühlte sie sich in der gemeinde in der sie war nicht wohl.
vieles lässt sich mit reden und ein wenig zeit klären.
das wäre auch für die Einrichtung das bessere gewesen.
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Re: Kirchenaustritt: Betagtenheim darf Pflegerin entlassen

Beitragvon bigbird » So 2. Jun 2013, 12:13

Da hier viele Werbepostings hineingesetzt wurden, schliesse ich diesen Thread mal. Falls jemand zum Thema diskutieren möchte, können wir gerne wieder öffnen. Dafür PN an den zuständigen Moderator oder an mich.

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